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Wir haben Browar Sabotaz ein paar Fragen gestellt und teilen gerne die Antworten mit euch.
Nicht verwirren lassen, mit Kooperative ist (auch) der Begriff Kollektiv gemeint.
Bei Browar Sabotaz trifft beides zu.

Zunächst stehen die Fragen und Antworten auf englisch, danach folgt unsere Übersetzung (fett gedruckt).

1.How did you come to an idea of creating a cooperative brewery? * Wie seid ihr auf die Idee gekommen, eine Brauerei-Kooperative ins Leben zu rufen? In fact, our initial idea was to create a worker cooperative and we were searching for a product that will be useful to our comrades. We wanted to produce something that falls behind the capitalists ideology of excess, so we turned to very basic product, that we believe is important to our culture. * Tatsächlich war die Idee, eine Kooperative zu gründen als erstes da und wir haben nach einem Produkt gesucht, das für unsere Genoss*innen hilfreich sein könnte. Wir wollten etwas produzieren, was sich der kapitalistischen Logik des Exzesses entzieht, also haben wir uns ein Produkt ausgesucht, das ziemlich basic ist und von dem wir glauben, dass es für unsere Kultur wichtig ist. 2.What is you perspective on solidarity economy & and do you as a cooperative relate to social & ecological movements? * Was ist eure Perspektive auf Solidarische Ökonomie? Und bezieht ihr euch als Kooperative auf soziale und ökologische Bewegungen? We consider worker and consumer cooperatives as a potentially effective strategy against system of exploitation of living beings, so we find it as a part of the struggle. We believe that our work is complementary to other strategies of anticapitalist, climate and animal rights movement. All members of our cooperative are active in other grassroot political groups. We also run a pub in Wrocław, Poland which is a space open for all leftists, grassroot activities. * Wir denken, dass Arbeiter*innen- und Konsument*innen-Kooperativen eine potenziell effektive Strategie gegen das System der Ausbeutung von Lebewesen sind, darum glauben wir, dass sie Teil des Kampfes sind. Wir glauben, dass unsere Arbeit deckungsgleich ist, zu anderen Strategien gegen Kapitalismus, für Klima- und Tierrechtsbewegungen. Alle Mitglieder unserer Kooperative sind aktiv in politischen Graswurzelbewegungen. Wir haben auch einen Pub in Wrocław (Breslau) in Polen, der ein offener Ort für Linke und Graswurzelaktivist*innen ist. 3. Do you as a cooperative organize and/cooperate with other cooperatives or initiatives .... beyond the competitive rules of the market? * Organisiert ihr euch als Kooperative gemeinsam mit anderen Kooperativen oder Initiativen...jenseits der Wettkampfregeln des Marktes? We try. We have good relations of mutual support with one cooperative restaurant from Warsaw and one from Krakow. We organized some events promoting cooperativism with them etc. and beer workshops for them. We invite cooks from Warsawian Lokal Vegan Bistro twice for our beer premiers to promote each other. However we are missing cooperatives that provide essential beer ingredients, like malt, wheat, hops or yest. * Wir versuchen es. Wir haben gute gegenseitige Unterstützungsbeziehungen mit einem Restaurantkollektiv in Warsaw und einem in Krakow. Wir haben schon Events zusammen organisiert zur Kooperativenbewegung oder auch Bierworkshops. Wir haben auch Köch*innen von einem veganen Warschauer Bistro zu unseren Biereinführungen eingeladen um einander gegenseitig zu promoten. Leider fehlt es uns an Kooperativen, welche essentielle Zutaten für uns herstellen: Malz, Weizen, Hopfen, Hefe. 4. Why did you decide to be a cooperative? What advantages, legal or otherwise, this particular form gives you? * Wieso habt ihr euch für die Rechtsform Kooperative entschieden? Hat das rechtliche oder andere Vorteile? To be honest we did not think the advantages and disadvantages of this model out well. We just wanted to create workers owned enterprise to show us and others that it is possible. As we’ve already told you, we treat our company as a part of a wider, anti-capitalist, self-organizing workers movement. We still make experiments to make our work division, wage system etc. as egalitarian, and as worker-centered as possible, and this was our goal from the beginning. We are here to diminish alienation that we face in our everyday life. From the legal point of view cooperatives in Poland have mostly disadvantages… * Ehrlich gesagt haben wir nicht so viel über Vor- oder Nachteile dieses Modells nachgedacht. Wir wollten ein arbeiter*innnengeführtes Unternehmen gründen um uns und anderen zu zeigen, dass das möglich ist. Wie schon gesagt sehen wir unser Unternehmen als Teil einer größeren antikapitalistischen Bewegung der Arbeiter*innenselbstorganisation. Wir experimentieren weiterhin mit möglichst egalitären Strukturen bezüglich Arbeitsteilung und Lohnsystem. Das war von Anfang an das Ziel. Wir machen das, um die Entfremdung, der wir alltäglich begegnen, zu vermindern. Rechtlich gesehen haben Kooperativen in Polen vor allem Nachteile... 5. What challenges are connected with both producing good quality beer as a small cooperative and being a lefty cooperative in the increasingly right-wing climate of Poland? * Welche Herausforderungen bringt es mit sich als kleine Kooperative gutes Qualitätsbier zu produzieren, insbesondere als linker Betrieb in einem zunehmend politisch rechten Klima in Polen? For making beer in capitalism you need money. And some knowledge of course, which is not very secret by the way. We are a typical example of people trying to do something in capitalism but having no capital… we have had just a little money to invest, so our production from the beginning has been very small (we can easily call ourselves nano-, or even piko- brewery). Having little production you can pay more for ingredients, because it counts less in a price of final product, but your fixed costs per bottle (say wages, rents, taxes etc.) are much higher, so it is extremely difficult to compete with corporate beers. As a leftist initiative we treat our bottles as leaflets, and we are promoting grassroot resistance tactics on every bottle and in our social media, so we get mostly to people from radical left background, who (in Poland) usually have little money to spend on beer. This makes our main problem, which is small scale, small production and small sales, which make it hard for us to get money that we need for our operating costs. We also has been targeted by nazis, which are quite active in our home town (Wroclaw) recently. Our pub has been attacked physically several times. We got our windows smashed, we had a teargas in the pub, our guests has been attacked outside. For a few weeks we got 1 incident with nazis every 3 days. However, we also got a lot of support and publicity from these events, so finally it worked out not so bad. * Um im Kapitalismus Bier herzustellen brauchst Du Geld. Und natürlich einiges Wissen, welches übrigens nicht besonders geheim ist. Wir sind ein typisches Beispiel für Leute, die versuchen im Kapitalismus ohne Kapital was zu machen... Wegen der begrenzten Ressourcen war unsere Produktion von Beginn an sehr klein (wir können uns Nano- oder gar Piko-Brauerei nennen). Mit den geringen Herstellungsmengen können wir mehr für die Zutaten bezahlen, weil es weniger in den Preis des Endprodukts hinein wirkt. Aber die Fixkosten pro Flasche, also Löhne, Miete, Steuern etc, sind höher. Das macht es extrem schwierig, mit kommerziellen Bieren in Wettbewerb zu treten. Als linke Initiative nutzen sowohl die sozialen Medien also auch jede einzelne Flasche als Material, um Graswurzel-Widerstandstaktiken zu propagieren. Damit erreichen wir vor allem Leute aus der radikalen Linken, welche (in Polen) in der Regel wenig Geld für Bier ausgeben können. Das komplettiert unser Hauptproblem, das aus dem Dreiklang Geringes Ausmaß, geringe Produktionsmengen, geringe Verkaufszahlen besteht. Vor diesem Hintergrund ist es leider schwierig, kostendeckend zu arbeiten. Zudem sind wir mehrfach von Nazis, die in unserer Stadt (Wroclaw) ziemlich aktiv sind, angegriffen worden. Bei unserer Kneipe wurden Fenster eingeschlagen, es gab einen Zwischenfall mit Tränengras und unsere Gäste wurden vor der Tür attackiert. Über mehrere Wochen hatten wir alle drei Tage einen Zwischenfall mit Nazis. Immerhin hat uns das auch viel Unterstützung und Öffentlichkeit gebracht, zuletzt war es somit gar nicht so schlecht. 6. Each label of your beer is a leaflet for a particular resistence strategy against opression. Can you say something about how you choose and create the labels? * Eure Flaschenetiketten präsentieren Widerstandsstrategien gegen Unterdrückung. Könnt ihr was sagen darüber wie ihr zu den Etiketten kommt? We brainstorm a little when we make a new beer. We try to make the names that not only promote tactics of resistance, but also reflect some characteristic of the beer. For example, we have called our fresh hop ale “Guerilla Gardening”. We also try to make our names not so obvious, so they can play with the story on the bottle, and a picture in the label and create multiple (chaotic and anti-authoritarian) associations. The label itself is prepared every time by the different illustrator. Sometimes our labels include word plays that are hard to translate to other languages. But anyway we are still keeping quite radical branding as for Poland, which was noticed by all people that heard about us, including nazis. * Wenn wir ein neues Bier machen, überlegen wir ein bisschen. Der Name des Biers soll nicht nur eine Taktik bewerben sondern auch irgendwie den Charakter des Biers widerspiegeln. Zum Beispiel heißt unser Frisches Hopfen-Ale "Guerilla Gardening". Wir wollen auch, dass die Namen nicht zu offensichtlich sind, so dass sie mit den Geschichten und Abbildungen auf den Flaschen spielen können und somit mehrere (chaotische und anit-autoritäre) Assoziationen zulassen. Das Etikett selbst wird jedes mal von anderen Leuten illustriert. Manchmal kommen Wortspiele vor, die schwer zu übersetzen sind. Trotzdem behalten wir unser für Polen ziemlich radikales Branding - es fällt allen auf, die von uns gehört haben, eben auch den Nazis. 7. How do you choose your ingredients (and supply chain)? * Wie wählt ihr eure Zutaten und Lieferkette? We are buying ingredients from as small and as local providers as possible. We have been dreaming about having a real cooperative chain of supply, but we are far from this place now. We buy hops from one peasant-owned farm in Eastern Poland. We buy unmalted wheat really close to the place where we brew, from local farmers. Malt, is however the most important in terms of quantity ingredient of beer, and we buy it from Polish and German factories. Malt market is heavily centralized, so it is difficult to find any small producers, but we at least do not import it from more remote countries. We will definitely not brew a beer with American hops and mango. We try to keep our beer simple and environmental friendly. * Wir kaufen die Zutaten von möglichst kleinen und möglichst lokalen Strukturen. Wir träumen davon, eine Lieferkette zu haben, welche komplett von Kooperativen organisiert wird, doch davon sind wir weit entfernt. Wir kaufen den Hopfen von einem kleinbäuerlichen Betrieb in Ostpolen. Das ungemalzte Getreide kommt von Höfen in unmittelbarer Nähe zur Brauerei. Aber das Malz, die mengenmäßig wichtigste Zutat für Bier, beziehen wir von polnischen und deutschen Fabriken. Der Malzmarkt ist stark zentralisiert, somit ist es schwer, kleine Hersteller zu finden. Aber zumindest importieren wir nicht aus fernen Ländern. Wir werden definitiv kein Bier mit amerikanischem Hopfen oder Mango brauen. Wir versuchen unser Bier einfach und umweltfreundlich zu halten. 8. How are you organized / How do you ensure an egalitarian structure? * Wie seid ihr organisiert und wie sichert ihr eure egalitäre Struktur? This is a hard question! We are a pretty chaotic company. We sometimes sometimes about ourselves as a disorganized group. Our work division is quite fluid, and we do not have fixed roles assigned. Some roles, as accounting, are more difficult to change, but we try hard, not to stick these jobs to one person for life. We share bar attending and cooking in the pub evenly, we are also trying to involve all of our members in brewing new recipes. We have regular meetings, 1 to 3 times a week, when we make all current decisions together. Our wages are not related to work, and off course we have no boss, as you can imagine. * Das ist eine schwierige Frage! Wir sind ziemlich chaotisch. Unsere Arbeitsteilung ist flüssig, da gibt es keine festgeschriebenen Rollen. Manche Rollen, wie z.B. die Buchhaltung, sind schwieriger zur rotieren als andere - aber wir versuchen diese Aufgaben nicht einzelnen Personen für immer zuzuschreiben. Die Tresenschichten und das Kochen in der Kneipe rotiert gleichmäßig, wir versuchen auch alle Mitglieder in das Brauen neuer Rezepte einzubinden. Wir treffen alle Entscheidungen in regelmäßigen Treffen, wovon es ein bis drei pro Woche gibt. Unsere Löhne sind außerdem von der Arbeit unabhängig und natürlich haben wir keine*n Chef*in. 9. Do you have employees, or do all people working in the cooperative are also its’ members? * Habt ihr Angestellte oder sind alle, die für die Kooperative arbeiten auch Mitglied derselben? No. We are trying to engage all the people working for us (excluding illustrators, which are different every time), into decision making process. Now all of workers are formal members of the cooperative as well. * Wir versuchen alle, die für uns arbeiten in die Entscheidungsprozesse einzubinden. Davon sind die Illustrator*innen ausgenommen, da sie jedes mal wechseln. Inzwischen sind alle Arbeiter*innen auch Teil der Kooperative. 10.What is your approach to private property in the context of your brewery? Can the financial gains be privatised by one or few people? * Wie geht ihr im Kontext eures Unternehmens mit Privateigentum um? Können die Gewinne von einzelnen Personen privatisiert werden? Well, we are in comfortable situation in this context. It is forbidden by Polish law to privatize any profits from the operation of cooperative of our kind. We have to spend all profits on social goals and on new investments. However we have no profits at this moment, so it is not an issue. When we started, we agreed to meet the legal requirements, so we know that we can never get anything more from our work than our equal, monthly wage, which we decide together. We are anitcapitalists, so we are against private property. * Wir sind diesbezüglich in der komfortablen Situation, dass die polnischen Gesetze es verbieten, dass Gewinne von Kooperativen privatisiert werden. Wir müssen alle Gewinne für unsere eigenen Investitionen oder für soziale Zwecke ausgeben. Momentan gibt es natürlich keine Gewinne, das ist also gar kein Thema. Von Anfang an war uns klar, dass wir uns an diese gesetzlichen Vorgaben auch halten werden, wir wissen also, dass wir aus dem Unternehmen nie mehr raus bekommen werden als unsere selbstbestimmten, egalitären Löhne. Wir sehen uns als antikapitalistisch, also sind wir gegen Privateigentum. 11. What is your longterm perspective or Utopia you want work for? * Wie ist eure Langzeitperspektive, für welche Utopie arbeitet ihr? We are dreaming about the whole economy being overtaken by self-organized working cooperatives. It might be a good start to create some of them now, step by step abolishing capitalist economy, and creating chains of supply that are free from exploitation. This is why selling our beer to other cooperatives is our main focus. It would be perfect to have some rural cooperatives that can provide ingredients for us, but it is hard to imagine at the moment. Anyway self-organizing in a workplace is an interesting prefigurative experience, that make us stronger in our everyday anticapitalist struggle. Maybe, when we will face a climate chaos our knowledge and skills will help us to organize some bigger scale alternatives. Beer will be needed then, for sure. * Wir träumen davon, dass die gesamte Wirtschaft von selbstorganisierten Arbeiter*innenkooperativen übernommen wird. Es könnte ein guter Anfang sein, einige davon jetzt schon mal zu etablieren um dann Schritt für Schritt die kapitalistische Wirtschaft abzuschaffen und ausbeutungsfreie Lieferketten zu etablieren. Deshalb wollen wir unser Bier vor allem an andere Kooperativen verkaufen. Es wäre perfekt, wenn es ländliche Kooperativen gäbe, die uns Zutaten bereitstellen, grade fällt es jedoch schwer sich das vorzustellen. Jedenfalls ist die Selbstorganisierung am Arbeitsplatz ein interessante, prototypische Erfahrung, die uns in unseren alltäglichen antikapitalistischen Kämpfen stärkt. Vielleicht wird uns unser Wissen mal helfen Alternativen größeren Umfangs zu organisieren, wenn die Klimakatastrophe eingetreten ist. Bier wird dann mit Sicherheit gebraucht werden.