Wir beziehen unser Sortiment an Obst und Gemüse täglich vom Berliner Bio-Großhandel.

Des weiteren bekommen wir während der Ernte-Saison wöchentlich bis zweimal wöchentlich Lieferungen vom Hofkollektiv Bienenwerder.
Bei Gelegenheit ergeben sich manchmal auch Möglichkeiten für andere Direktbezüge.

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Obst und Gemüse aus bio-veganer Landwirtschaft

Es gibt kaum Betriebe, die bio-vegan wirtschaften. Im Moment sind es im bundesdeutschen Raum um die 20 Betriebe, wie ihr in diesem Interview nachlesen könnt. Einige der rar gesäten bio-veganen Projekte sind auch keine kommerziellen Erzeuger, sondern CSAs, SoLaWis, Selbstversorgungsprojekte o.ä.

Wir hatten letzte Saison immerhin für eine Weile Kartoffeln aus bio-veganer Landwirtschaft, die wir ohne Großhändler direkt vom erzeugenden Betrieb bekommen haben.

Für einen Laden ist es wichtig, dass bestimmte Grundnahrungsmittel immer verfügbar sind. Deshalb müssen wir bei den allermeisten Produkten auf die Belieferung über den Bio-Großhandel zurückgreifen, solange uns keine tolleren Bezugsquellen wie z.B. vegane Landwirtschaftskollektive über den Weg laufen, die unseren Bedarf alternativ decken.

Obwohl das biologisch vegane Netzwerk schon vor über zehn Jahren gegründet wurde, ist eine Vereinsgründung erst für dieses Jahr vorgesehen. Die Vereinsgründung wäre die Grundlage dafür, dass Betriebe - ähnlich wie in den klassischen Bio-Anbauverbänden - vom biologisch veganen Netzwerk darauf überprüft werden, ob sie die auferlegten Veganrichtlinien einhalten. Nur wenn dies gewährleistet ist, kann einem Produkt das Label „kontrolliert bio-vegan“ verliehen werden.

Wir im Veganladenkollektiv würden es sehr begrüßen, wenn wir bald Handelspartner*innen hätten, die eine vegane Landwirtschaft umsetzen. Als Ladenkollektiv, das euch in erster Linie vegane, aber auch möglichst fair-/kollektivproduzierte und möglichst regionale Produkte anbieten möchte, sind wir allerdings darauf angewiesen, dass es da draußen irgendwo die Betriebe gibt, deren Ideale mit unseren übereinstimmen.

Solange das nicht oder nur in Einzelfällen so ist, wird unser Sortiment weiterhin ein Naturkostbasissortiment (=Bioladensortiment) sein, das mit vielen Widersprüchen verbunden ist:

  • Für bio-produzierte(s) Obst und Gemüse, Getreide, Hülsenfrüchte, Nüsse etc.pp. werden tierische Dünger eingesetzt, in der konventionellen Landwirtschaft besteht der Dünger aus Mineralsalzen, die primär erstmal vegan aussehen, aber natürlich erheblichen Umweltschaden anrichten und somit zumindest nicht in einem ökologischen und auf Kleinstlebewesen bezogenen Sinne vegan sind.

  • Durch im Bio-Anbau eingesetzte Pflanzenschutzmittel leiden kleine Lebewesen oft viel stärker und länger bevor sie sterben. Das liegt daran, dass diese Mittel und Methoden nicht einer chemischen Keule gleichkommen, sondern auf Basis pflanzlicher Wirk-und Giftstoffe sind oder man befreit die Kulturpflanzen von schädigenden Insekten, in dem man ihnen andere Insekten auf den Hals jagt (Parasitierung).

  • Last not least: die Esoterik. Viele Firmen in der Naturkostbranche stehen fragwürdigen spirituellen Ideen nahe, die wir im Veganladenkollektiv nicht teilen. Die Verbindung zum Veganismus finden wir dort, wo im anthroposophischen Demeter-Anbauverband, nicht weil es ökologisch sinnvoll ist, sondern aus rein spirituellen Gründen, der Einsatz (genauer: das Verbuddeln) von tierischen Präparaten vorgeschrieben ist.

  • Ein weiterer Widerspruch ist, dass wir euch gerne bezahlbare Lebensmittel anbieten möchten.

    Bio-Lebensmittel sind bekanntermaßen teurer als konventionelle. Das liegt im Wesentlichen an dem um ein Vielfaches erhöhtes Maß an Handarbeit, die in den fertigen Bio-Lebensmitteln im Vergleich zu konventionellen drinsteckt und natürlich auch an Ernteeinbußen und eingeschränkteren Möglichkeiten der Haltbarmachung des Lagerguts, die Bioerzeuger*innen zu Ungunsten der Chemiekeulen hinnehmen müssen. Mit dem Bio-Boom sind Bio-Lebensmittel billiger geworden, weil sie in größerem Stil produziert werden. Es gibt viel mehr Bio-Betriebe als früher und diese können sich leicht auf zwei Kulturen, z.B. Kartoffeln und Erdbeeren spezialisieren. Durch diese Fokussierung sind sie eher in der Lage, für diese beiden Kulturen z.B. einen Vollernter und eine Pflanzmaschine anzuschaffen und die Kartoffeln und Erdbeeren werden „bezahlbarer“.

  • In der Etablierung bio-veganer Landwirtschaft werden die produzierenden Betriebe wieder dort anfangen müssen, wo einst die Öko-Bewegung in den 1970ern startete: Kleine Betriebe mit einer neuen Idee, die in kleinem Umfang (leider) vergleichsweise teure Produkte produzieren. Die Frage ist dabei immer: Wer kann sich das leisten? Und es wird emanzipatorisch eingestellte Menschen vermutlich auch weiterhin spalten oder zumindest in heißen Diskussionen beschäftigen, ob es elitär sei Bio-Produkte zu kaufen... Aber von solchen Debatten einmal abgesehen, ist es uns als Kollektiv einfach ein Anliegen euch sowohl ein - für Bio-Verhältnisse - relativ billiges Öl anzubieten und gleichzeitig das nicht gerade billige Olivenöl aus der anarchistischen Kooperative. Diesen Spagat zu schaffen, ist einer der Gründungsgedanken unseres Ladens.